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Dienstag, 10. Januar 2012
Freitag, 27. August 2010
Nachtrag zu: Globales Manifest von Hans Küng
Was will das Manifest für ein Globales Wirtschaftsethos?
Hans Küng
1. Dieses Manifest bietet nicht nur allgemein formale, moralische Regeln oder Forderungen
wie »Verantwortung« oder »Gemeinwohl«, sondern inhaltlich bestimmte
Werte und ethische Standards.
2. Diese Werte und Standards sind keine Erfindungen unserer Zeit, sondern stammen
aus dem ethischen Erfahrungsschatz der Menschheit, der sich angesammelt hat,
seit der Mensch, aus dem Tierreich aufsteigend, lernen musste, sich menschlich zu
benehmen (zum Beispiel nicht andere Menschen zu töten, wie er Tiere töten darf:
Tötungsverbot).
3. Diese Werte und Standards haben somit die Autorität der großen religiösen und
ethischen Traditionen der Menschheit hinter sich, wie sie sich in zahllosen Zeugnissen
der verschiedenen Kulturen im Lauf der Jahrhunderte niedergeschlagen haben.
4. Sie sind deshalb auch nicht regional oder national beschränkt, sondern bei aller
kulturellen Bedingtheit universal. In allen Kulturen waren die Menschen nämlich
daran interessiert, das Leben, das Eigentum, die Ehre und die Geschlechtlichkeit unter einen besonderen Schutz zu stellen. Insofern sind die Werte und Normen Gewaltlosigkeit und Achtung vor dem Leben, Gerechtigkeit und Solidarität, Wahrhaftigkeit und Toleranz, gegenseitige Achtung und Partnerschaft nicht willkürlich gewählt, sondern in zentralen Lebensbereichen strukturell begründet.
5. Das allen diesen Werten und Normen zugrundeliegende Grundprinzip ist das
Bemühen um Menschlichkeit, um Humanität, das in der Goldenen Regel der Gegenseitigkeit eine entscheidende Konkretisierung erfahren hat.
6. Dieses Manifest ist kein Gesetz, das mit Sanktionen durchgesetzt werden soll,
sondern ein Appell zur Selbstverpflichtung, der freilich den Sanktionen des Gewissens
unterliegt.
7. Dieser Appell richtet sich nicht nur an Wirtschaftsführer, Unternehmer und Investoren,
sondern auch an Kreditgeber, Mitarbeiter, Konsumenten und die jeweiligen
Interessenverbände in allen Ländern der Welt. Damit richtet er sich auch an die politischen
und staatlichen sowie internationalen Organisationen und Institutionen, die
allesamt eine wesentliche Verantwortung für die Herausbildung und Umsetzung
eines solchen globalen Wirtschaftsethos haben.
8. Das Manifest für »Global Economic Ethic« versteht sich als Unterstützung aller
gegenwärtigen Bemühungen um globale moralische Standards, insbesondere des
UN Global Compact, vom Blickwinkel der Ethik aus:
– Die Forderung des Global Compact nach Respektierung und Unterstützung der
Menschenrechte setzt das Prinzip Humanität voraus, das sich auf Rechte und Pflichten
bezieht.
– Die Annahme von verantwortungsvollen Arbeitsstandards setzt eine grundlegende
Einstellung zur Gerechtigkeit und Fairness sowie den ethischen Willen zu einer
gerechten Wirtschaftsordnung voraus.
– Der Schutz der Umwelt entsprechend dem Vorsorgeprinzip setzt die Ehrfurcht
vor allem Leben, auch dem der Tiere und Pflanzen, voraus.
– Der Kampf gegen Korruption in all ihren Formen setzt den Willen zu Wahrhaftigkeit
und Gerechtigkeit voraus.
Hans Küng
1. Dieses Manifest bietet nicht nur allgemein formale, moralische Regeln oder Forderungen
wie »Verantwortung« oder »Gemeinwohl«, sondern inhaltlich bestimmte
Werte und ethische Standards.
2. Diese Werte und Standards sind keine Erfindungen unserer Zeit, sondern stammen
aus dem ethischen Erfahrungsschatz der Menschheit, der sich angesammelt hat,
seit der Mensch, aus dem Tierreich aufsteigend, lernen musste, sich menschlich zu
benehmen (zum Beispiel nicht andere Menschen zu töten, wie er Tiere töten darf:
Tötungsverbot).
3. Diese Werte und Standards haben somit die Autorität der großen religiösen und
ethischen Traditionen der Menschheit hinter sich, wie sie sich in zahllosen Zeugnissen
der verschiedenen Kulturen im Lauf der Jahrhunderte niedergeschlagen haben.
4. Sie sind deshalb auch nicht regional oder national beschränkt, sondern bei aller
kulturellen Bedingtheit universal. In allen Kulturen waren die Menschen nämlich
daran interessiert, das Leben, das Eigentum, die Ehre und die Geschlechtlichkeit unter einen besonderen Schutz zu stellen. Insofern sind die Werte und Normen Gewaltlosigkeit und Achtung vor dem Leben, Gerechtigkeit und Solidarität, Wahrhaftigkeit und Toleranz, gegenseitige Achtung und Partnerschaft nicht willkürlich gewählt, sondern in zentralen Lebensbereichen strukturell begründet.
5. Das allen diesen Werten und Normen zugrundeliegende Grundprinzip ist das
Bemühen um Menschlichkeit, um Humanität, das in der Goldenen Regel der Gegenseitigkeit eine entscheidende Konkretisierung erfahren hat.
6. Dieses Manifest ist kein Gesetz, das mit Sanktionen durchgesetzt werden soll,
sondern ein Appell zur Selbstverpflichtung, der freilich den Sanktionen des Gewissens
unterliegt.
7. Dieser Appell richtet sich nicht nur an Wirtschaftsführer, Unternehmer und Investoren,
sondern auch an Kreditgeber, Mitarbeiter, Konsumenten und die jeweiligen
Interessenverbände in allen Ländern der Welt. Damit richtet er sich auch an die politischen
und staatlichen sowie internationalen Organisationen und Institutionen, die
allesamt eine wesentliche Verantwortung für die Herausbildung und Umsetzung
eines solchen globalen Wirtschaftsethos haben.
8. Das Manifest für »Global Economic Ethic« versteht sich als Unterstützung aller
gegenwärtigen Bemühungen um globale moralische Standards, insbesondere des
UN Global Compact, vom Blickwinkel der Ethik aus:
– Die Forderung des Global Compact nach Respektierung und Unterstützung der
Menschenrechte setzt das Prinzip Humanität voraus, das sich auf Rechte und Pflichten
bezieht.
– Die Annahme von verantwortungsvollen Arbeitsstandards setzt eine grundlegende
Einstellung zur Gerechtigkeit und Fairness sowie den ethischen Willen zu einer
gerechten Wirtschaftsordnung voraus.
– Der Schutz der Umwelt entsprechend dem Vorsorgeprinzip setzt die Ehrfurcht
vor allem Leben, auch dem der Tiere und Pflanzen, voraus.
– Der Kampf gegen Korruption in all ihren Formen setzt den Willen zu Wahrhaftigkeit
und Gerechtigkeit voraus.
Am Klettersteig - Lyrik von Winfried Werner Linde
Am Klettersteig
Es ist die Stille geworden. Dohlen kreischen,
kreisend über Köpfen flüchtender Wanderer.
Ein Südwind treibt die dunklen Wolken in die Schrofen,
ferner Donner lässt die Blitze ahnen.
Die Seile flirren sich im Strom zur Drohung.
Nirgends findet sich Hoffnung. Der Blitz schlägt ein
und malt ein Kains-Mal in die Felsen.
In schwarzen Wolken dämmern wilde Fratzen.
Es ist die Todes-Drohung. Schafe kauern sich
am Langen Sattel.
Wo ist die Zeit des Sommers hingetickt?
(Winfried Werner Linde, aus dem Zyklus „Nordkette“)
Es ist die Stille geworden. Dohlen kreischen,
kreisend über Köpfen flüchtender Wanderer.
Ein Südwind treibt die dunklen Wolken in die Schrofen,
ferner Donner lässt die Blitze ahnen.
Die Seile flirren sich im Strom zur Drohung.
Nirgends findet sich Hoffnung. Der Blitz schlägt ein
und malt ein Kains-Mal in die Felsen.
In schwarzen Wolken dämmern wilde Fratzen.
Es ist die Todes-Drohung. Schafe kauern sich
am Langen Sattel.
Wo ist die Zeit des Sommers hingetickt?
(Winfried Werner Linde, aus dem Zyklus „Nordkette“)
Labels:
Innsbruck,
Klettersteig,
Lyrik,
Nordkette,
Winfried Werner Linde
Nordkette - Lyrik von Winfried Werner Linde
Nordkette
Weißer Nebel hebt sich aus verwaschenen Karen,
darüber sich die Schwärze, lauernd, mit Krähen
zum Schrei der Zeit paart. In Wolkenmeeren
schreit sich die Sonne in den Tag.
Zwischen Felsen schreien die Dohlen
in des Wanderers Blick ins Tal,
kreischen sich wie hungrig in die Schrofen.
Nässe friert im Bergwind.
Die reife Zeit des Sommers
ahnt ein Ende, in dem die Ruhelosen
ihre Stille finden.
Weißer Nebel hebt sich aus verwaschenen Karen,
darüber sich die Schwärze, lauernd, mit Krähen
zum Schrei der Zeit paart. In Wolkenmeeren
schreit sich die Sonne in den Tag.
Zwischen Felsen schreien die Dohlen
in des Wanderers Blick ins Tal,
kreischen sich wie hungrig in die Schrofen.
Nässe friert im Bergwind.
Die reife Zeit des Sommers
ahnt ein Ende, in dem die Ruhelosen
ihre Stille finden.
Labels:
Herbstgedicht,
Lyrik,
Nordkette,
Sommergedicht,
Winfried Werner Linde
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik
Kritik – „L'Olimpiade“ in Innsbruck: Musikalisch ein Triumph, aber fad inszeniert
Innsbruck hat einen neuen künstlerischen Leiter der Festwochen der Alten Musik, Alessando De Marchi. Zu seinem (mit Standing Ovations umjubelten) Einstand wählte er Giovanni Battista Pergolesis „L'Olimpiade“ (nach einem Libretto von Pietro Metastasio). Ein musikalisches Drama um Macht auf Zeit (Olympia), die der Herrscher Clistene (Jeffrey Francis) dazu nutzt, als Preis für den Olympiasieg die Hand seiner Tochter Aristea (Raffaella Milanesi) auszusetzen.
Triumph
Was naturgemäß zu Irrungen und Wirrungen führt, denn um sie bewerben sich die beiden Freunde Licida (Jennifer Rivera) und Megacle (Olga Pasichnyk), die allerdings bereits anderweitig liiert sind. Aber: Ende gut, alles gut. Die sängerische und orchestrale Umsetzung des Pergolesi-Werkes durch De Marchi und das Orchester Academia Montis Regalis und die Solisten waren ein Triumph für die Alte Musik in Innsbruck.
Die theatralische Umsetzung durch Regisseur Alexander Schulin (Bühnenbild und Kostüme: Alfred Peter) liegt allerdings im Grenzbereich. Bewegungen wie in Zeitlupe und der teilweise deklamatorische Gestus lassen die (Alb-)Traumwelt der inneren Konflikte durch die Langsamkeit zur Langatmigkeit werden.
Da tauchen mit der Schäferin Argene (Ann-Beth Solvang) plötzlich riesengroße Schafsköpfe auf der Bühne auf, da wird die Drehbühne überstrapaziert: Ein Renaissance-Raum wechselt mit einem Bild wie aus der West Side Story.
Die grandiosen Interpreten lassen aber die Mätzchen vergessen. Es ist und bleibt – trotz alledem – Alte Musik vom Feinsten.
– Winfried W. Linde
________________________________________
KURIER-WERTUNG: Vier Punkte
© 10.08.2010 KURIER
Innsbruck hat einen neuen künstlerischen Leiter der Festwochen der Alten Musik, Alessando De Marchi. Zu seinem (mit Standing Ovations umjubelten) Einstand wählte er Giovanni Battista Pergolesis „L'Olimpiade“ (nach einem Libretto von Pietro Metastasio). Ein musikalisches Drama um Macht auf Zeit (Olympia), die der Herrscher Clistene (Jeffrey Francis) dazu nutzt, als Preis für den Olympiasieg die Hand seiner Tochter Aristea (Raffaella Milanesi) auszusetzen.
Triumph
Was naturgemäß zu Irrungen und Wirrungen führt, denn um sie bewerben sich die beiden Freunde Licida (Jennifer Rivera) und Megacle (Olga Pasichnyk), die allerdings bereits anderweitig liiert sind. Aber: Ende gut, alles gut. Die sängerische und orchestrale Umsetzung des Pergolesi-Werkes durch De Marchi und das Orchester Academia Montis Regalis und die Solisten waren ein Triumph für die Alte Musik in Innsbruck.
Die theatralische Umsetzung durch Regisseur Alexander Schulin (Bühnenbild und Kostüme: Alfred Peter) liegt allerdings im Grenzbereich. Bewegungen wie in Zeitlupe und der teilweise deklamatorische Gestus lassen die (Alb-)Traumwelt der inneren Konflikte durch die Langsamkeit zur Langatmigkeit werden.
Da tauchen mit der Schäferin Argene (Ann-Beth Solvang) plötzlich riesengroße Schafsköpfe auf der Bühne auf, da wird die Drehbühne überstrapaziert: Ein Renaissance-Raum wechselt mit einem Bild wie aus der West Side Story.
Die grandiosen Interpreten lassen aber die Mätzchen vergessen. Es ist und bleibt – trotz alledem – Alte Musik vom Feinsten.
– Winfried W. Linde
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KURIER-WERTUNG: Vier Punkte
© 10.08.2010 KURIER
Kritik zu "Die Zauberflöte" bei den Tiroler Festspielen in Erl (KURIER)
Tiroler Festspiele Erl: Zauberflöte im Parsifal-Look
Über der Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ bei den Tiroler Festspielen Erl liegt der Pathos des Mythischen: Sarastro (Pavel Shmulevich) hat sein weibliches Dual als Sprecherin zur Seite (Brigitte Karner). Über den heiligen Hallen schwebt eine Analogie zu Parsifal, in Chor und Szene. Das Gravitätische beginnt bereits mit der Ouvertüre und setzt sich in den Chorszenen fort. Ein Regie-Gag, mehr nicht.
Gustav Kuhn, Regisseur und musikalischer Leiter, platziert das Orchester in der Bühnenmitte. Er setzt auf die Erler Kinder, die auch die Kostüme kreierten und die alles präsentieren: Sie verfolgen als Schlange Tamino (wuchtig und dramatisch: Michael Baba), bauen Mauern und Säule, sind die alles verschlingende Erde. Locker und temperamentvoll wie auch stimmlich präsent die drei Damen (Cornelia Horak, Anahita Ahsef, Martina Tomcic). Hier ist die Klasse des Kuhn’schen Erl aufleuchtend. Cigdem Soyarslam als Königin der Nacht zeigt (zuweilen auch unpräzisen) Koloratur-Glanz.
Papageno (Johannes Schmidt) und Papagena (Silga Tiruma) sind liebenswerte Geschöpfe, die aus der Simpson-Familie zu kommen scheinen. Ein Höhepunkt - die von Monostatos (Wolfram Wittekind) bewachte Pamina, die in Anett Fritsch eine glanzvolle stimmliche Interpretin findet.
Fazit: Mozart mit Wagner-Mix.
Winfried W. Linde
Über der Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ bei den Tiroler Festspielen Erl liegt der Pathos des Mythischen: Sarastro (Pavel Shmulevich) hat sein weibliches Dual als Sprecherin zur Seite (Brigitte Karner). Über den heiligen Hallen schwebt eine Analogie zu Parsifal, in Chor und Szene. Das Gravitätische beginnt bereits mit der Ouvertüre und setzt sich in den Chorszenen fort. Ein Regie-Gag, mehr nicht.
Gustav Kuhn, Regisseur und musikalischer Leiter, platziert das Orchester in der Bühnenmitte. Er setzt auf die Erler Kinder, die auch die Kostüme kreierten und die alles präsentieren: Sie verfolgen als Schlange Tamino (wuchtig und dramatisch: Michael Baba), bauen Mauern und Säule, sind die alles verschlingende Erde. Locker und temperamentvoll wie auch stimmlich präsent die drei Damen (Cornelia Horak, Anahita Ahsef, Martina Tomcic). Hier ist die Klasse des Kuhn’schen Erl aufleuchtend. Cigdem Soyarslam als Königin der Nacht zeigt (zuweilen auch unpräzisen) Koloratur-Glanz.
Papageno (Johannes Schmidt) und Papagena (Silga Tiruma) sind liebenswerte Geschöpfe, die aus der Simpson-Familie zu kommen scheinen. Ein Höhepunkt - die von Monostatos (Wolfram Wittekind) bewachte Pamina, die in Anett Fritsch eine glanzvolle stimmliche Interpretin findet.
Fazit: Mozart mit Wagner-Mix.
Winfried W. Linde
Kritik im KURIER - von Winfried Werner Linde zu "Der fliegende Holländer" bei den Tiroler Festspielen in Erl 2010
Wagners zeitloser „Fliegender Holländer“ in Erl:
Triumph der Musik und des Gesanges
Gustav Kuhn setzt bei den Tiroler Festspielen in Erl mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ wieder einen Akzent der zeitgemäßen Interpretation. Er nimmt der Oper das Romantische (in der Inszenierung) und versetzt die Handlung in die Gegenwart einer Regatta-Szenerie. Ein rotes Riesensegel als Symbol des Holländer-Geisterschiffs, die Stube des Kapitäns Dalland wird zu einer Art Nähfabrik für Segel und die Fröhlichkeit der Frauen mutiert zum Catwalk, wenn die Seeleute heimkehren. Mary (Ekaterina Sergeeva), die die Damen „beaufsichtigt“ ist alles andere als eine Amme, sondern wie aus einer Model-Akademie entstiegen.
Im Gegensatz dazu: Senta (die grandiose Anna-Katharina Behnke lässt Erinnerungen an Birgit Nilsson wach werden), die den „ewig herumirrenden“ Holländer erlösen soll, bricht aus dem bürgerlichen Establishment und dem dazu gehörenden Rollenverhalten der Frau aus. Sie entzieht sich der Männerwelt, die ihr einen anderen, Erik, (Luis Chapa) als Partner zuweist. Kuhn lässt die Spannung zwischen Holländer (Oskar Hillebrandt setzt als introvertierter Menschen-Darsteller starke Gesangs-Akzente) und Senta dominieren.
Da sind Kapitän Daland (kraftvoll: Liang Li) und der Steuermann (Andreas Schager lässt tenoralen Glanz aufblitzen) letztlich nur mehr Rand-Persönlichkeiten.
Kuhns Stärke liegt einmal mehr in der musikalischen Interpretation. Die entfesselte Töne-Welt, in der der junge Wagner seine späteren Werke vorwegnimmt, reißt mit, und entführt durch die Inszenierung auch in eine sehr aktuelle Thematik: Senta, die Frau, ist nicht Opfer, sondern verändert das Denken der Männerwelt.
Autor: Winfried W. Linde
Triumph der Musik und des Gesanges
Gustav Kuhn setzt bei den Tiroler Festspielen in Erl mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ wieder einen Akzent der zeitgemäßen Interpretation. Er nimmt der Oper das Romantische (in der Inszenierung) und versetzt die Handlung in die Gegenwart einer Regatta-Szenerie. Ein rotes Riesensegel als Symbol des Holländer-Geisterschiffs, die Stube des Kapitäns Dalland wird zu einer Art Nähfabrik für Segel und die Fröhlichkeit der Frauen mutiert zum Catwalk, wenn die Seeleute heimkehren. Mary (Ekaterina Sergeeva), die die Damen „beaufsichtigt“ ist alles andere als eine Amme, sondern wie aus einer Model-Akademie entstiegen.
Im Gegensatz dazu: Senta (die grandiose Anna-Katharina Behnke lässt Erinnerungen an Birgit Nilsson wach werden), die den „ewig herumirrenden“ Holländer erlösen soll, bricht aus dem bürgerlichen Establishment und dem dazu gehörenden Rollenverhalten der Frau aus. Sie entzieht sich der Männerwelt, die ihr einen anderen, Erik, (Luis Chapa) als Partner zuweist. Kuhn lässt die Spannung zwischen Holländer (Oskar Hillebrandt setzt als introvertierter Menschen-Darsteller starke Gesangs-Akzente) und Senta dominieren.
Da sind Kapitän Daland (kraftvoll: Liang Li) und der Steuermann (Andreas Schager lässt tenoralen Glanz aufblitzen) letztlich nur mehr Rand-Persönlichkeiten.
Kuhns Stärke liegt einmal mehr in der musikalischen Interpretation. Die entfesselte Töne-Welt, in der der junge Wagner seine späteren Werke vorwegnimmt, reißt mit, und entführt durch die Inszenierung auch in eine sehr aktuelle Thematik: Senta, die Frau, ist nicht Opfer, sondern verändert das Denken der Männerwelt.
Autor: Winfried W. Linde
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